Ein voller Erfolg

Vermutlich kennen wir das alle: jemand geht bei irgendeiner Veranstaltung ans Pult, beginnt seine Rede, und unser erster Gedanke ist: „O weh! Hoffentlich redet er oder sie nicht zu lange!“ Schon die Art, wie er oder sie aufs Podium marschiert, die monotone Stimme und der erste nichts sagende Satz (der uns eine schier endlose Reihe ähnlicher Sätze befürchten lässt) rufen in uns Langeweile und Ungeduld hervor, und wir schalten nach spätestens zwei Minuten ab.

Manchmal betritt aber auch ein Mensch die Bühne, der uns beim ersten Blick, beim ersten Wort fesselt und uns mit seiner ganzen Art völlig in seinen Bann zieht. Wir fühlen uns angesprochen, angeregt, saugen jedes Wort auf und gehen bereichert und voller Ideen nach Hause.

Wie kommt das?

Was den Zuhörer anspricht, ist die Ausstrahlung, mit einem anderen Wort die Authentizität des Redners, die Selbstverständlichkeit und Souveränität, mit denen er oder sie auftritt. Und vor allem die Begeisterung und die Freude zu kommunizieren, sich mitzuteilen!

Freuen Sie sich ans Pult zu gehen und vor Ihr Publikum zu treten?

Wenn wir die Chance haben, vor einem Publikum sprechen zu dürfen, die Chance, Menschen mitzureißen, zum Nachdenken anzuregen und für eine Sache einzunehmen, ist es eine tolle Sache! Kann es etwas Schöneres geben, als andere mit unserer Begeisterung anzustecken? Als zu spüren, wie unsere Zuhörer an unseren Lippen hängen und uns super sympathisch finden?

Wieso zittern uns dann die Knie, wieso fühlt sich unsere Kehle wie zugeschnürt an, so dass wir befürchten müssen, die Situation nicht ohne Blamage überstehen zu können?

Die falsche Vorstellung

Wegen einer rein subjektiven, völlig verzerrten Vorstellung – der Vorstellung nämlich, wir stünden erbarmungslos ausgeliefert im Rampenlicht, und das Publikum hätte nicht anderes im Sinne, als uns zu kritisieren und zu beurteilen!

Der Denkfehler liegt hierin: wir fokussieren uns auf unsere eigene Person, anstatt auf die Inhalte, die wir transportieren. Wenn ein Musiker vor dem Konzert Lampenfieber hat, wird ihm im Allgemeinen der Rat gegeben, an die Musik zu denken, die er spielt, an die Freude, diese Musik, die er liebt, mit den Menschen zu teilen!

Und so ist es auch beim Vortragenden. Denn wir sind am Besten mit unserem Selbst verbunden (und darum ruhig und konzentriert) wenn wir uns von den Inhalten, die wir mitteilen möchten, tragen lassen. Dann sind wir frei, uns selbst zu sein, und genau das ist es, was ankommt und den Erfolg unseres Auftritts ausmacht.

Wie erreichen wir das?

Selbstverständlich ist ein mentales Training zu diesem Zweck förderlich, angefangen bei der Wahrnehmung unserer ganz persönlichen falschen Vorstellungen von der Situation und von uns selbst. Auch das positive Visualisieren unseres Auftritts, in welchem Rahmen auch immer, kann den Bann brechen und das verrückt machende Gedankenkarussell zum Stillstand bringen.

Ich habe aber auch festgestellt, dass die geübte Wahrnehmung unseres Atemflusses, unserer Körperhaltung und das Know How, wie unsere Stimme mühelos zu benutzen, unser Selbstbewusstsein erheblich stärkt. Dies Know How ist eine starke Verankerung, die den Stress, vor Publikum zu sprechen, überflüssig macht!

Virginie Gerwig  28.Februar 2019

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